Systematic Zoology
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Baborka, Christoph

Dipl.-Biol. Christoph Baborka

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DIPLOMARBEIT

"Computergestützte 3D-Rekonstruktion und vergleichende Anatomie scissurelider Gastropoden an Scissurella jucunda und Larochea miranda"

Computer-aided 3D-reconstruction and comparative anatomy of the scissurelid Microgastropods Larochea miranda and Larochea miranda

Die geringe Körpergröße und methodische Schwierigkeiten mögen Gründe dafür sein, dass viele Mikrogastropoden morphologisch unzureichend beschrieben und systematisch unsicher bzw. unzutreffend eingeordnet sind. Dies trifft nicht zuletzt auch für Vertreter der Vetigastropodenfamilie der Scissurellidae zu. Seit Kurzem verfügbare Methoden der computergestützten 3D-Rekonstruktion auf der Grundlage lichtmikroskopisch erfasster Dünnschnittserien erleichtern die Darstellung und das Verständnis der in-situ Mikroanatomie von Tieren in der Größenkategorie eines Millimeters beträchtlich. In der vorliegenden Arbeit werden auf diese Weise zwei scissurellide Mikrogastropoden - Scissurella jucunda und Larochea miranda - untersucht, um die morphologische Datenmatrix in dieser Tiergruppe zu erweitern und damit weitere Argumente für ihre systematische Stellung zu liefern. Dabei geht es um die Einordnung beider Arten innerhalb der Scissurellidae, wie auch um die Position der Scissurellidae im verwandtschaftlichen Umfeld der Vetigastropoda.

Scissurella jucunda ist eine gewundene Schnecke von unter 1 mm Durchmesser. Diese Art besitzt subepidermale Augen an der Basis der papillaten Kopftentakel. Am Mantelrand findet sich ein charakteristischer Schlitz mit papillatem Mantelschlitztentakel. Das vordere der beiden papillaten Epipodialtentakel-Paare besitzt ESOs. Neben paarigen Mantelhöhlenorganen (Kiemen, Osphradien) gibt es nur eine linke Hypobranchialdrüse. Das Herz ist diotocard, die linke Niere ist als papillater Sack ausgebildet, die rechte hat neben der Ausleitung der Geschlechtsprodukte offenbar auch eine exkretorische Funktion. Die Gonaden sind zwittrig, das streptoneure Nervensystem ist hypathroid.

Larochea miranda ist ebenfalls kleiner als 1 mm, es wurde ein Männchen untersucht. Diese Art besitzt keinen Mantelschlitz, Augen sind an der Basis der papillaten Kopftentakel als leicht erhabene Strukturen zu erkennen. Von den drei Epipodialtentakel-Paaren ist mit Sicherheit das vordere papillat. Es gibt nur einen, linken Satz an Mantelhöhlenorganen (Kieme, Osphradium, Hypobranchialdrüse). Das Herz war nicht vollständig rekonstruierbar, die Nieren liegen paarig vor. Der Darm ist auf charakteristische Weise in drei Schleifen aufgewunden. Das Nervensystem ist hypathroid, Streptoneurie ist nachweisbar.