Systematic Zoology
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Deym, Philippa

Dipl.-Biol. Philippa Deym

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"Vergleichend morphologische Untersuchung zur Entwicklung der Retina von Zander (Stizostedion lucioperca) und Sardelle (Engraulis japonicus) unter besonderer Berücksichtigung des Tapetum lucidum."

 

Die vorliegende Arbeit beschreibt die Retinaentwicklung des Europäischen Zanders (Stizostedion lucioperca, sechs Entwicklungsstadien) und der Japanischen Sardelle (Engraulis japonicus, zwei Entwicklungsstadien). Schwerpunktmäßig wurde die Differenzierung von Photorezeptoren und Pigmentepithelzellen untersucht, nicht zuletzt im Hinblick auf die Entwicklung des in beiden Fällen adult vorhandenen Tapetum lucidum.

Auf der Grundlage histologischer Semidünnschnitte wurden die Augen und Retinaschichten lichtmikroskopisch charakterisiert und vermessen. Lückenlose Semidünnschnittserien dienten der 3D-Visualisierung und Volumetrie (AMIRA) sowie der halbautomatischen Kartierung von Retinaschichtdicken (IDL). Letztere ist im Sinne der Methodenentwicklung am vorliegenden Beispiel verfeinert worden. Ultrastrukturelle Details wurden mit elektronenmikroskopischen Verfahren (TEM, REM) untersucht.

 

Die Befunde wurden im Sinne der funktionellen Morphologie und der visuellen Ökologie diskutiert und mit bereits publizierten Daten / Deutungen verglichen.

Der Zander ist offenbar erst zeitgleich mit dem völligen Abbau des Dottersackes, und damit der Notwenigkeit der aktiven Nahrungsaufnahme zum Sehen scharfer Bilder befähigt. Im Alter von etwa 16 Tagen entwickeln sich die Stäbchen für das skotopische Sehen, sowie die Doppelzapfen und ein charaketristisches Zapfenmuster, die zusammen die Sehschärfe - unterstützt durch die nun bewegliche Linse - und das Farbkontrastsehen verbessern. Zwischen dem 31. und 62. Tag nach dem Schlupf entwickelt sich das Tapetum lucidum. Erst jetzt wechselt das Tier von positiver zu negativer Phototaxis und wird dämmerungsaktiv.

 

Dies zeigt, dass die Entwicklung des Tapetums weitreichende verhaltens-ökologische Folgen für das Tier mit sich bringt und ein essentielles Ereignis in der Retinaentwicklung ist.

 

Die Sardelle zeigt schon im jüngsten verfügbaren Entwicklungsstadium eine dem Adultzustand ähnliche Netzhautarchitektur. So konnten Fragen zur Morphogenese der aberranten Retinastrukturen bei Sardellen noch nicht gelöst werden, die frühe Ausprägung zeigt jedoch, dass schon die Sardellenlarve vom Polarisationskontrastsehen zu profitieren scheint.